Langsamer Ausstieg aus der Kernenergie

31. Oktober 2016

Abstimmungen

Tschernobyl und Fukushima sind etwas zu schnell vergessen gegangen, kaum jemand ist sich bewusst, dass der schweizerische AKW-Park ist der älteste der Welt ist. Wir leben nicht nur mit den ältesten AKW, wir haben sie auch in einer potentiell gefährlichen Konzentration stehen: nirgendwo auf der Welt gibt es so viele AKW auf engstem Raum, zumal in einer solchen Bevölkerungsdichte wie bei uns. Ob wir mit einem GAU rechnen oder nicht (so etwas passiert doch uns in der Schweiz nicht!), wir müssen uns die Frage nach der Abbau und der Entsorgung stellen, und eben diese Frage bleibt unbeantwortet; erst kürzlich musste die Schweiz ihre radioaktiven Abfälle, die sie nach Frankreich und Deutschland in Aufbereitungsanlagen geschickt hatte, zurücknehmen.

Das Kerngeschäft ist defizitär: Auf dem freien Markt kann man heute den produzierten Atomstrom zu rund 3 Rp. pro kWh verkaufen, die realen Gestehungskosten belaufen sich jedoch auf über 8 Rp., die Differenz bezahlen wir Steuerzahler. Ein (altes) Beispiel: Anlässlich der Eröffnung des KKW Leibstadt erwähnte ein Direktor der Elektrizitäts-Gesellschaft-Laufenburg, dass die Gestehungskosten mit 11 Rp. pro kWh unbestritten seien; 1999 verkauften die Kraftwerke Rheinfelden ihre 5%-Beteiligung an Leibstadt; am Verkauf verdienten sie nichts, er kostete das Unternehmen sogar 120 Mio. DM, weil der Käufer die zukünftigen Verluste in Rechnung stellte. Wie geht das nur weiter? Die Gesamtrechnung wird leider nicht transparent gemacht. Das Ende der AKW wird mit grosser Sicherheit ihre ökonomische Schieflage sein, was auch schon einige bürgerliche Politiker gemerkt haben.

Und wie steht es mit der Versorgung? Trotz wiederholten Abschaltungen der AKW ist keine Versorgungslücke entstanden. Der Stromverbrauch ist dank grösserer Effizienz in den letzten Jahren stabil geblieben, obwohl die Bevölkerung gewachsen ist. Mit erneuerbarem Strom können wir den Atomstrom ersetzen. Diese Energieproduktion liefert bereits heute rund zwei Drittel des gesamten Bedarfs. Interessant ist dabei, dass Schweizer Stromkonzerne jetzt schon massiv in erneuerbare Energien im nahen Ausland investieren; zusammen mit der erneuerbaren inländischen Produktion kommen sie auf fast die Hälfte des Stroms aus unseren AKW. Die Wasserkraft wird durch den geordneten Atomausstieg langfristig gestärkt, ebenso die neuen alternativen Energiequellen: etwa 55’000 diesbezügliche Projekte warten beim Bund auf Bewilligungen. Die erneuerbaren Energien sind insgesamt billiger, Gestehungskosten, Amortisation und Risiken miteinberechnet. «Ohne AKWs fahren wir langfristig günstiger: Wir sparen uns zusätzliche Entsorgungskosten, die faktische Staatsgarantie für den Fall eines AKW-GAUs und investieren das Geld in erneuerbare Energien. Diese werden immer günstiger» (Christian Egeler, FDP BS).

Der gestaffelte und geordnete Atomausstieg, über den wir am 27. November abstimmen, ist nötig und möglich.

Ihre Frischluft

 

 

 

 

 

 

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